Konzept

1. Vorstellung der Einrichtung

 

1.1. Träger

 

 

Der Träger des Montessori-Kinderhortes ist der Verein montessori regensburg e. V. Dieser ist Träger von insgesamt zehn Montessori Einrichtungen in Regensburg.
Der hauptamtliche Vorstand vertritt die Interessen des Vereins und entwickelt die strategische Gesamtausrichtung. Er sichert die wirtschaftliche Grundlage des Vereins und schafft die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit.
Ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat überwacht, begleitet und berät den Vorstand bei seiner Arbeit.

 

1.2. Geschichte des Kinderhortes


Im September 1998 wurde der Montessori-Kinderhort gegründet. Neben der Grund- und Hauptschule, die bereits in der Gutenbergstraße in Regensburg untergebracht waren, wurde nun auch der Kinderhort in den Räumlichkeiten eröffnet.
Im September 2002 zogen die Montessori-Schule und der Montessori-Kinderhort in das ehemalige Benediktinerkloster „Schloß Prüfening“. Seitdem ist der Montessori-Kinder- hort in den historischen Räumlichkeiten untergebracht.

 

2. Rahmenbedingungen

2.1. Gesetzliche Grundlagen


Das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) sowie das 8. Buch des Sozialgesetzes (SGB VIII) bilden die Grundlage der Arbeit im Kinderhort.

Der Auftrag des Hortes ist wie folgt im SGB VIII beschrieben:
„Der Hort ist eine familienunterstützende und familienergänzende Einrichtung. Auftrag des Hortes ist die Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern ab der Einschulung bis zum Alter von 14 Jahren. […] Der Hort soll die Entwicklung des Kindes zu einer eigenver- antwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit fördern.“ (vgl. §§ 1 und 22 SGB VIII)


2.2. Räumlichkeiten


Der Kinderhort ist – wie die Montessori-Grund- und Mittelschule – im Prüfeninger Schloss untergebracht. Dieser Verbund unter einem Dach hat für die Kinder den großen Vorteil, dass sie nach Unterrichtsschluss nur kurze Wege innerhalb des Gebäudes bewältigen müssen.

Das einzigartige Gebäude verleiht dem Kinderhort ein ganz besonderes Flair. Im Erdgeschoß befinden sich die abgeschlossenen Räumlichkeiten, die die Kinder nach ihren Bedürfnissen nutzen können. Räume und Gänge beinhalten verschiedene Funktionsbereiche. Das Raumkonzept baut von laut nach leise auf. In der Bring- und Abholzone und im Bewegungsraum können die Kinder ihre Bewegungsbedürfnisse ausleben. Der Kreativ- platz, der Ruheraum, die Küche und der Hausaufgabenraum sind als ruhiger/leiser Bereich durch eine Zwischentür abgegrenzt.

 

 

 

• Außengelände
Hortinnenhof mit Schlosspark-Charakter, Pausenhof mit vielfältigen Spielbereichen für Bewegung, Kontakt zur Natur, phantasievollen Rollenspielen

• Bewegungsraum
Möglichkeit sich zu bewegen, Körpererfahrungen zu sammeln, Einsatz von Kleingeräten für Sport & Spiel, Rückzugsmöglichkeit für intensive Rollenspiele

• Kreativplatz
vielfältige Materialien für kreatives und phantasievolles Gestalten

• Ruheraum
Rückzugsort, um in Ruhe zu spielen, zu bauen, zu konstruieren, zu lesen, Musik zu hö- ren, zu entspannen.

• Küche
gemeinsames Mittagessen, Nachmittagssnack, gemütliches Beisammensein, gelegent- lich gemeinsames Kochen

• Hausaufgabenraum
zur Erledigung der Hausaufgaben, ergänzende Hilfe durch Montessori- Material, außer- halb der Hausaufgaben-Zeit: Forscherecke mit wechselnden interessanten Materialien

 

 

2.3. Team


Das Team des Kinderhortes setzt sich aus zwei Erzieherinnen und einer Kinderpflegerin zusammen.
Die Stelle der Leitung umfasst 38,5 Stunden, die zweite Erzieherstelle 30 Stunden und die Kinderpflegestelle 27 Stunden.
In der Kernzeit (13.00–16.00 Uhr), wenn alle Kinder im Hort anwesend sind, arbeiten alle pädagogischen Mitarbeiter in der Gruppe. In der Ankommzeit (11.20–13.00 Uhr) und in der Abholzeit (16.00–17.00 Uhr) verringert sich je nach Kinderzahl die Anzahl des Personals im Einsatz.

Einmal wöchentlich findet von 9.00–10.45 Uhr eine Teamsitzung statt. In dieser wird Organisatorisches und Inhaltliches besprochen und geplant, über pädagogische Grundsätze und deren Umsetzung diskutiert, die Entwicklung einzelner Kinder genauer betrachtet sowie die gesamte Arbeit reflektiert.
Die Inhalte und Ergebnisse der Teamsitzungen werden schriftlich in einem Protokoll festgehalten.

 

2.4. Kinder


In den Montessori-Kinderhort werden ausschließlich Kinder der Montessori- Grundschu- le aufgenommen. Das Einzugsgebiet umfasst den Stadtbereich Regensburg und den Landkreis bzw. die Nachbarlandkreise. Wir betreuen maximal 37 Kinder von der 1.–4.
Jahrgangsstufe, die, aufgrund der Berufstätigkeit der Eltern, einen täglichen Betreuungs- bedarf haben.

Grundpfeiler unserer pädagogischen Arbeit ist die konstante Kindergruppe, in welcher die Kinder Gemeinschaft erleben und ein WIR-Gefühl entstehen kann.
Wir leben Inklusion – bei uns sind alle Kinder herzlich willkommen. Sowohl Kinder mit Behinderungen, Teilleistungsstörungen, Krankheiten und Allergien, als auch Kinder mit Hochbegabung. Die individuelle Begleitung eines jeden Kindes im stetigen Bezug zur Integration in die Gemeinschaft ist uns sehr wichtig.

 

2.5. Tagesablauf


Ein geregelter Tagesablauf ist die Grundlage für eine strukturierte Umgebung, in der sich das Kind wohl fühlt und selbstständig zurechtfindet. Die Selbsttätigkeit gibt dem Kind Selbstvertrauen, eine innere Sicherheit und Zufriedenheit aufgrund seines eigenen Handelns.
Um das Gruppengeschehen und die Gruppenprozesse nicht zu stören, gibt es für die Eltern feste Abholzeiten (13.45–14.00 Uhr und 16.00–17.00 Uhr), welche im Tagesablauf fest verankert sind.

 

Tagesablauf während der Schulzeit:

 

Je nach Unterrichtsende kommen die Kinder zwischen 11.20 und 13.00 Uhr in den Hort. Um 11.20 Uhr sind dies vor allem die Kinder der 1. und 2. Jahrgangsstufe. Sie bilden meist nur eine kleine Gruppe von weniger als 15 Kindern. Diese Kleingruppe genießt es, den gesamten Hort „für sich“ zu beanspruchen. Die einzelnen Kinder gestalten je nach persönlichen Interessen ihre Frei(e)Zeit.

Um 13.00 Uhr, wenn alle Kinder anwesend sind, teilt sich die Gruppe in zwei Kleingruppen. Während eine Gruppe in der Küche das Mittagessen einnimmt, geht die andere Gruppe mit ihrer Bezugsperson nach draußen in den Pausenhof zur „Frischluft-Tankstelle“. Der großflächige Pausenhof bietet vielfältige Spielmöglichkeiten, um den intensiven Bewegungsbedürfnissen nachzugehen oder auch einen ruhigen Rückzugsort zu finden. Nach 30 Minuten wechseln die Gruppen die Tätigkeiten.

Das Mittagessen wird von einem Caterer geliefert und von einer pädagogischen Mitarbei- terin verteilt. Beim Essen ist uns eine familiäre Atmosphäre besonders wichtig. Diese Zeit bietet die Möglichkeit sich bei Gesprächen intensiv auszutauschen, aber auch zur Ruhe zu kommen. Basis dafür ist das Erlernen und Pflegen von Tisch- und Esskultur. Um die Kinder in die Aufgaben des praktischen Lebens einzubeziehen, übernehmen die Kinder im Wech- sel den Tischdienst und helfen beim Abräumen und Säubern der Tische.

Um 14.00 Uhr beginnt die Hausaufgabenzeit. Die Kinder werden zu Beginn des Hort- jahres in drei Kleingruppen eingeteilt und einer pädagogischen Mitarbeiterin zugeordnet. Diese begleitet die Kinder in ein Klassenzimmer der Grundschule oder in das Hausaufga- benzimmer des Hortes.
Die Kinder der 1. und 2. Jahrgangsstufe arbeiten ca. 30 Minuten, die Kinder der 3. und 4. Jahrgangsstufe ca. 60 Minuten. Jedes Kind soll seine individuellen Hausaufgaben so selbstständig wie möglich erledigen. Die Pädagogin begleitet, beobachtet, dokumentiert, unterstützt und gibt Hilfestellung. Am Ende der Zeit werden die Aufgaben von der Pädagogin nicht korrigiert, da die Lehrkraft durch Fehler Rückmeldung erhält, ob das Wissen des Kindes bereits gefestigt ist, oder ob noch Übungsbedarf besteht.

Ab 15.00 Uhr befinden sich wieder alle Kinder als Gesamtgruppe in den Räumlichkeiten des Kinderhortes. Bis 16.00 Uhr erleben sie einen ungestörten Rahmen, in welchem sie ihre Freizeit aktiv gestalten können und Gemeinschaftserlebnisse stattfinden: Frei(e)Zeit, Aktionen & Aktivitäten, Projekte, Feste & Feiern.

Da um 16.00 Uhr viele Kinder zum Bus/Zug gehen oder abgeholt werden, verringert sich die Anzahl der Kinder stark. Die Kinder, die noch bis 17.00 Uhr den Hort besuchen, genie- ßen die ruhigere Atmosphäre, gestalten ihre Frei(e)Zeit je nach persönlichen Bedürfnissen und lassen den Tag ausklingen.

 

2.6. Öffnungszeiten


• Während der Schulzeit:

   Montag – Donnerstag: 11.20–17.00 Uhr
   Freitag: 11.20–16.30 Uhr

• Während der Ferienöffnungszeit:

   Montag – Freitag: 8.00–16.00 Uhr


2.7. Buchungskategorien und Betreuungsentgelt


In einem Buchungsbeleg geben die Eltern den Bedarf an Betreuungszeiten für ihr Kind an. Zudem werden Ferientage extra hinzugebucht.
Aus der durchschnittlichen Betreuungszeit während der Schulzeit und dem Bedarf an Ferienbetreuung ergibt sich das monatliche Betreuungsentgelt.
Die gebuchten Zeiten müssen der tatsächlichen Anwesenheitszeit des einzelnen Kindes entsprechen und es sollen keine Unter- bzw. Überschreitungen erfolgen.

 

Kostenübersicht:

 


2.8. Ferienbetreuung


Der Kinderhort hat maximal 30 Tage im Hortjahr geschlossen. Die Ferienschließtage werden den Eltern zu Beginn des Hortjahres bekanntgegeben. Die Eltern können dann, je nach Buchungskategorie, auswählen, wann sie eine Ferienbetreuung für ihr Kind benötigen.

 

Tagesablauf in den Ferien:

 

In den Ferien hat der Kinderhort von 8.00–16.00 Uhr geöffnet. Dies ist für die Kinder eine schöne Erfahrung, da sie nun den ganzen Tag im Hort sein können. Die Struktur des Tagesablaufes bietet den Kindern intensivere und längere Zeiteinheiten für die individuelle Gestaltung ihrer Frei(e)Zeit, als während der Schulzeit. Diese gemeinsame Zeit mit den Freunden hat bei den Kindern einen sehr hohen Stellenwert und bereitet ihnen sehr viel Freude.

Die Bringzeit von 8.00–10.00 Uhr bietet den Familien die Möglichkeit in den Ferien entspannter in den Tag zu starten. Die Kinder können in dieser Zeit frei wählen wie und mit wem sie ihre Zeit gestalten möchten.

In jeder Ferienwoche findet ein Ferienprojekt statt, welches bereits im Vorfeld den Kindern und Eltern bekannt gegeben wird.
Die Inhalte greifen die Interessen der Kinder und kosmische Themen auf, welche über die gesamte Woche ganzheitlich betrachtet werden, wie z. B. Kunst, Kultur, Sprache, Bewegung, Entspannung, Naturwissenschaft, Umwelt oder Ökologie.

Außerdem finden - wenn möglich - Exkursionen statt, indem wir zu Fuß die nähere Umgebung erkunden, mit dem Bus innerhalb von Regensburg unterwegs sind und dort Museen oder Institutionen besuchen oder mit dem Zug weitere Strecken bewältigen, um ein interessantes Ziel in der ferneren Umgebung zu erreichen.
Eine große Bereicherung für den Hort ist es, wenn wir Experten einladen. Dies sind Eltern oder externe Experten von Firmen, die sich mit ihrem Fachwissen, Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen. Mit höchster Aufmerksamkeit nehmen die Kinder die neuen Informationen auf. Diese besonderen Erlebnisse bleiben oft lange im Gedächtnis der Kinder verankert.

Das große Zeitfenster im Tagesablauf von 10.00–13.00 Uhr bietet für die Ferienprojekte optimale Bedingungen.

Diese Stunden nutzen wir beispielsweise auch, um mit den Kindern im Hort selbst zu kochen. Der gemeinsame Prozess der Herstellung eines Mittagessens von der Planung, dem Lesen des Rezepts, der Berechnung der Zutaten, dem Abmessen der Mengen, der Zubereitung, dem Kennenlernen der Lebensmittel usw. weckt bei vielen Kindern großes Interesse bzgl. ausgewogener und gesunder Ernährung.
Neben dem Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten erfahren die Kinder, dass selbst gekocht, meistens doch am besten schmeckt.

Nach dem Essen geht es für alle Kinder in den Pausenhof, in die sog. „Frischluft-Tankstelle“, um die individuellen Bedürfnisse nach Bewegung, Spiel und Rückzug auszuleben.

Die Zeit von 14.00–16.00 Uhr bietet den Eltern ein sehr großes Abholfenster. Die Kinder genießen diese Zeit am Nachmittag zur individuellen Freizeitgestaltung.

 

 

 

3. Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit

3.1. Montessori-Pädagogik


Die Arbeit im Montessori-Kinderhort orientiert sich an der Pädagogik Maria Montessoris. Die Grundsätze dieser Pädagogik finden sich im Rahmenkonzept von montessori regensburg e. V.
Dies ist auf der Homepage www.montessori-regensburg.de einsehbar.

 

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich.
Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen.
Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. 
Mute mir Fehler und Anstrengung zu denn daraus kann ich lernen.“

(Maria Montessori)

 

Vorbereitete Umgebung nach Maria Montessori
Die vorbereitete Umgebung bezieht mehrere Aspekte ein.

Raumgestaltung …
> bietet den Kindern Bewegungsräume, Raum für Kreativität und Rückzugsmöglich- keiten.
> lädt die Kinder zum eigenständigen Handeln und Tun ein.
> fördert die Selbstständigkeit, das Spiel, den Kontakt, die Bewegung,
  die innere Ordnung des Kindes,
  das Lernen und Forschen und gibt den Kindern Sicherheit.

(Spiel- und Lern-) Material …
> löst Aktivität aus.
> ist ästhetisch und vollständig.
> ermöglicht dem Kind selbstständig zu arbeiten und durch Erfahrung zu lernen.

Pädagoge/in
> Der Erzieher ist Gestalter einer vorbereiteten Umgebung und somit wichtiger Bestandteil.
  Er steht helfend zur Seite und zieht sich zurück,
  wenn das Kind keine Unterstützung mehr benötigt.

 

„Nicht das Kind soll sich in der Umgebung anpassen. Sondern wir sollten die Umgebung dem Kind anpassen.“

 

Die Rolle des Erziehers
In der Montessori-Pädagogik ist die Rolle des Erziehers von großer Bedeutung. Sein besonderes Augenmerk liegt auf der Begleitung und Unterstützung des Kindes in dessen Persönlichkeitsentwicklung. Grundlage dafür ist eine differenzierte Beobach- tung und Dokumentation. Eine wertschätzende Haltung gegenüber Kindern, Eltern und Kollegen bildet die Basis. In der pädagogischen Arbeit ist stets eine Balance zwischen Freiheiten gewähren und Grenzen setzen gefordert. Um sich der Aufgaben dieser Rolle bewusst zu sein, ist eine hohe Bereitschaft zur (Selbst-) Reflexion unumgänglich.

 

„Erziehung ist Vorbild sein und sonst nichts als Liebe.“

 

Kosmische Erziehung
Ein Kernstück der Montessori-Pädagogik ist die kosmische Erziehung, die Maria Montessori auch „das Fenster zur Welt“ nennt.
Das Interesse der Kinder die Welt zu entdecken und Zusammenhänge zu begreifen wächst. Sie wollen sowohl im Kinderhort, als auch außerhalb etwas erleben, Erfahrungen sammeln, beobachten, experimentieren, entdecken, staunen, …

 

„Einzelheiten lehren, bedeutet Verwirrung stiften. Die Beziehung unter den Dingen herzustellen,
bedeutet Erkenntnisse vermitteln. Alle Dinge sind miteinander verbunden und haben ihren Platz im Universum.“

 

Bewegungs- und Handlungsfreiheit
Bevor ein Kind in der Lage ist, die Grenzen und Bedürfnisse anderer zu achten, muss es erst die Erfahrung gemacht haben, dass seine eigenen Interessen respektiert werden und es Raum gibt, sie umzusetzen und zu erfüllen. Dennoch gilt immer der Grundsatz:

 

Meine Freiheit endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt.

 

Das Kind im Montessori-Kinderhort kann durch die freie Wahl über Ort, Zeit und Dauer einer Tätigkeit sowie die freie Wahl von Material, Spielpartner und Spielidee im freien Spiel vielseitige eigenständige soziale, kognitive, motorische und emotionale Erfahrungen sammeln.

 

3.2. Schlüsselkompetenzen zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben


In der „Empfehlung für die pädagogische Arbeit in bayrischen Horten“ des Staatsmini- steriums für Arbeit und Soziales (STMAS) wird der Bildungsauftrag des Hortes definiert. Unser Konzept im Montessori- Kinderhort bietet den Kindern einen optimalen Rahmen zur Bildung von Schlüsselkompetenzen für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben. Wir begleiten Kinder im Alter von 6–12 Jahren in ihrer individuellen Entwicklung auf ihrem Weg zum Erwerb von Schlüsselkompetenzen. Diese sind personale Kompetenz, soziale Kompetenz, Wissenskompetenz und Lernkompetenz.

Kinder brauchen für die Entwicklung personaler Kompetenzen eine soziale Zugehörigkeit, indem sie sich mit Gleichaltrigen, Älteren und Jüngeren auseinandersetzen, ihre Meinung vertreten und Verantwortung übernehmen.
Wichtige personale Kompetenzen sind z. B.
> eine stabile Ich-, soziale und kulturelle Identität.
> ein positives Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.
> Frustrationstoleranz.
> Selbstreflexion und Selbstregulation.

Soziale Kompetenzen sind Fähigkeiten, die Grundvoraussetzung für das Miteinander im sozialen Zusammenleben ist. Die Erfahrung, Verständnis entgegengebracht zu bekommen, aber auch Grenzen einhalten zu müssen, Vorschläge einzubringen und anzunehmen, eine Streitkultur zu entwickeln und Toleranz zu leben, ist wichtig.

Soziale Kompetenz umfasst z. B.
> die Fähigkeit und Bereitschaft auf andere zuzugehen.
> Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer zu nehmen und seine eigenen Bedürfnisse evtl. zurückzustellen.
> Regeln im sozialen Miteinander auszuhandeln und einzuhalten.
> konstruktiv Kritik zu üben.

Wissensvermittlung zur Bereicherung der Wissenskompetenz soll immer an der Neugier- de und dem Interesse der Kinder orientiert sein.
Wissenskompetenz bezieht sich auf Basiswissen in verschiedenen Lebensbereichen der Kinder, wie z. B.
> naturwissenschaftliche Vorgänge und Zusammenhänge verstehen.
> Umwelt, Kultur, Medien.
> sich an demokratischen Prozessen beteiligen.

Lernkompetenz beinhaltet das Wissen, wie man Wissen erwerben kann und die Fähigkeit zu lernen. Dies ist im Kinderhort vor allem bei den Hausaufgaben von großer Bedeutung. Lernkompetenzen sind z. B.
> Strukturierung von Arbeitszeit, Arbeitsaufgaben und Arbeitsplatz.
> das Wissen, wo man sich Informationen beschaffen kann.
> die Entschlossenheit, Fragen zu stellen.
> Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen).

 

„Der Weg auf dem sich die Schwachen stärken, ist der gleiche wie der auf dem sich die Starken vervollkommnen.“

 

3.3. Projektorientiertes Arbeiten


Projektorientiertes Arbeiten ist für uns keine Methode, sondern ein didaktischer Grundsatz mit welchen wir uns gemeinsam mit den Kindern einem Thema widmen.
Impulsgeber können sowohl die Interessen der Kinder, als auch Impulse der Erwachsenen sein.

 

"Das Leben anzuregen – und es sich dann frei entwickeln zu lassen – hier liegt die erste Aufgabe des Erziehers.“

 

Ein Projekt ist …
> prozess- nicht ergebnisorientiert.
> über einen längeren Zeitraum im Verlauf.
> ganzheitlich und vielseitig.
> kooperativ, forschend, entdeckend.
> einmalig.
> nachhaltig.

Projektorientiertes Arbeiten basiert auf …
> Partizipation.
> Selbsttätigkeit, Selbstorganisation, Eigenverantwortung.
> Ko-Konstruktion.
> ständigem Dialog zwischen Kindern/Erziehern, Erziehern/Eltern und Erziehern/ Erziehern.
> gezielter Beobachtung.
> Reflexion der Teilschritte und des Gesamtverlaufs.
> Dokumentation des Verlaufs.
> Vernetzung und Öffnung zum Gemeinwesen.

Aktuelle Beispiele für die Umsetzung von Montessori-Projekten aus dem Kinderhort sind auf der Homepage www.montessori-regensburg.de nachzulesen.

3.4. Freizeitgestaltung


Wir achten im Wochen-, Monats- und Jahresturnus auf eine Ausgewogenheit zwischen Frei(e)zeit, Aktionen & Angeboten, Projekten und Festen & Feiern.

 

„Das Interesse des Kindes hängt allein von der Möglichkeit ab, eigene Entdeckungen zu machen.“

 

Frei(e)Zeit
Frei(e)Zeit ermöglicht dem Kind Aktivität und Eigeninitiative. Das Kind beschäftigt sich intensiv allein oder mit anderen Kindern, wobei es sich durch Eigentätigkeit selbst bildet.
Das Spiel ist die angemessene Form kindlicher Auseinandersetzung mit der Welt. Im Spiel verarbeiten Kinder ihre Eindrücke, nehmen unterschiedliche Rollen ein, entwickeln Fähigkeiten und Fertigkeiten, üben Kooperation, Toleranz und ihre Frustrationstoleranz, zeigen Eigeninitiative, lernen mit Langeweile umzugehen und vieles mehr.
Frei(e)Zeit nimmt im Kinderhort einen hohen Stellenwert ein und ist von großer Bedeutung. Wir beobachten und begleiten die Kinder in dieser Zeit, stellen uns als Spielpartnerin zur Verfügung, moderieren, wenn nötig in Konfliktsituationen und ziehen uns zurück, wenn Kinder selbstständig Lösungen finden. Wir achten auf einen wertschätzen- den Umgang miteinander und eine angenehme Atmosphäre.

 

Aktionen & Aktivitäten
Die Aktionen & Aktivitäten richten sich nach den Interessen und Bedürfnissen der Gruppe, die durch gezielte Beobachtungen des Teams ermittelt werden. In diesen finden Gruppenphasen, als auch der Jahreskreislauf Berücksichtigung.
Unterschiedliche Angebotsformen wie z. B. offenes oder gebundenes Angebot, Werk- stattarbeit oder Workshop bieten den Kindern die Möglichkeit neue Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben oder bestehende weiterzuentwickeln.

 

Montessori-Projekte
In unseren Montessori-Projekten werden Interessen der Gruppe oder aktuelle Themen aus der Lebenswelt der Kinder aufgegriffen. Die aktive Mitgestaltung aller Beteiligten (Kinder, Team, Eltern, Experten) und die Öffnung zum Gemeinwesen, unter Einbeziehung der näheren Umgebung, sind dabei wesentliche Bestandteile.
Im stetigen demokratischen Prozess werden Entscheidungen getroffen und weiter- entwickelt.

 

Feste & Feiern
Fester Bestandteil der kosmischen Erziehung sind Feste & Feiern im Jahreskreislauf. Die Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls bei gemeinsamen Feiern der Hortkinder untereinander oder mit Eltern und Geschwistern sind für alle von großer Bedeutung. Die Feier des eigenen Geburtstages, das Erleben des Geburtstagsrituals und das Gefühl im Mittelpunkt zu stehen, stärken die Persönlichkeit des Kindes.
Wiederkehrende Feste im Jahreskreislauf sind z. B. Halloween, Nikolaus, Weihnachten, Winterfest, Ostern, Sommerfest, … Auf diese bereitet sich die Gruppe gemeinsam vor. Wir gestalten z. B. Räumlichkeiten um und dekorieren diese themenspezifisch.
Die Familien engagieren sich, indem sie Beiträge zu Buffets leisten oder sich als Helfer einbringen.
Das Gemeinschaftsgefühl wird aber auch durch die interaktive kreative Mitgestaltung in Form von Liedern, Spielen, Rallyes u. v. m. gestärkt.


4. Zusammenarbeit mit Eltern

4.1. Aufnahmegespräche


Vor der Aufnahme eines Kindes in den Kinderhort findet ein Aufnahmegespräch zwischen der Leitung und den Eltern statt.
Hierbei geht es einerseits um die Rahmenbedingungen und die pädagogische Arbeit des Kinderhortes und andererseits um die Familie und das Kind mit seiner Persönlichkeit, seinen Stärken und Schwächen, Interessen und Besonderheiten.
Dieser Austausch ist uns wichtig, um sich im Einzelgespräch persönlich kennenzulernen und auszutauschen.

 

4.2. Entwicklungsgespräche


Mindestens einmal im Jahr findet für jedes Kind ein Entwicklungsgespräch statt. Zu diesem lädt entweder die Erzieherin die Eltern ein oder die Eltern bitten um einen Termin. Inhalte des Gesprächs sind die Persönlichkeit des Kindes, seine Stellung in der Gruppe, seine Stärken, Schwächen, Interessen, Bedürfnisse, das Spiel-, Lern- und Arbeitsverhalten sowie Aktuelles. Natürlich können die Eltern während des gesamten Hortjahrs stets mit ihren Anliegen auf uns zukommen.

 

4.3. Elternabende


Jeweils im Oktober findet ein Elternabend mit folgenden Inhalten statt: Vorstellung des Teams, Kennenlernen der Eltern, pädagogische Inhalte, Planungen für das Hortjahr und die Elternbeiratswahl.

Ein weiterer Elternabend im zweiten Halbjahr thematisiert die Ferienfreizeit, einen Rück- und Ausblick oder einen pädagogischen Schwerpunkt.

Für interessierte neue Eltern wird in jedem Frühjahr ein Info-Elternabend angeboten, um das Konzept, die Rahmenbedingungen und die pädagogische Arbeit kennenzulernen.
Außerdem besteht hier die Möglichkeit, sich die Räumlichkeiten näher anzusehen und gezielt Fragen zu stellen.

 

4.4. Elternmitarbeit


Elternmitarbeit nimmt in der Montessori-Pädagogik einen großen Stellenwert ein. Die Elternmitarbeit ist vertraglich verankert und somit für jede Familie verpflichtend.
Die Eltern können sich entweder in einem der vielen Arbeitskreise von montessori regensburg e. V. einbringen oder direkt im Kinderhort.
Möglichkeiten der Mitarbeit im Kinderhort sind z. B.: Ausübung der Elternbeiratsfunktion, Besorgungen, Herstellung von Materialien, Reparaturen, Näh- und Waschaufgaben, Groß- putz, Unterstützung bei Festen und Feiern, Einbringen von persönlichen Fähigkeiten, …

 

 

5. Kooperation


montessori regensburg e. V. bietet ein ganzheitliches Konzept von 0–18 Jahren und darüber hinaus an. Dies ermöglicht den Kindern einen problemlosen Übergang von einer Einrichtung in die andere und erfordert deshalb Transparenz zwischen den Einrichtungen.

Zwischen den Einrichtungsleitungen und dem Vorstand finden regelmäßige Treffen zum gegenseitigen Austausch und zur Bearbeitung unterschiedlichster Themen statt.

 

5.1. Montessori-Kinderhäuser


Der Kontakt zu den Montessori-Kinderhäusern ist uns wichtig, da viele Kinder aus den Kinderhäusern die Montessori-Grundschule und den Montessori-Kinderhort besuchen. Der Austausch mit den Montessori-Pädagogen ist hilfreich, um für die Erstklässler den Übergang vom Kinderhaus in die Grundschule und in den Kinderhort zu erleichtern.

 

5.2. Montessori-Grundschule


Der wichtigste Kooperationspartner für uns ist die Montessori-Grundschule, da die Kinder am Vormittag die Schule und daran anschließend den Kinderhort besuchen.

Es sind einerseits viele organisatorische Absprachen nötig, um für einen reibungslosen Tagesablauf zu sorgen und andererseits individuelle Absprachen für jedes einzelne Kind. Mindestens einmal jährlich findet zu jedem Hortkind ein Austausch mit der jeweiligen Lehrkraft statt. Inhalte sind z. B. Persönlichkeit des Kindes, Lern- und Arbeitsverhalten, aktueller Wissensstand, Fördermöglichkeiten, …

Des Weiteren nehmen Hort-Pädagogen am sog. „Runden Tisch“ teil. Bei diesen Gesprächen treffen sich Lehrkraft, Eltern, Hort-Pädagogin und ggf. Schulbegleitung und Therapeut. Ziel ist es gemeinsam zum Wohle des Kindes, Ideen auszutauschen, um dessen Entwicklung zu unterstützen und zu begleiten.

 

5.3. Montessori-Mittelschule & Fachoberschule


Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Mittelschule und Fachoberschule bieten wir Hospitations- und Praktikumsplätze an, um einen Einblick in das Arbeitsfeld der Erzieherin zu ermöglichen.
Außerdem werden im Rahmen von Informationsveranstaltungen Räumlichkeiten, Rahmenbedingungen, Tagesablauf und die pädagogische Arbeit, … vorgestellt.

 

5.4. Fachakademie für Sozialpädagogik

 

Um zukünftigen Erzieherinnen die Arbeit in einem Montessori-Kinderhort näher zu bringen, arbeiten wir mit der Fachakademie für Sozialpädagogik zusammen. Wir veranstalten Informationsnachmittage und bieten den Studierenden einen Praktikumsplatz.

 

 


6. Qualitätsentwicklung

6.1. Elternbefragung


Einmal jährlich eruieren wir durch eine anonyme Elternbefragung den Zufriedenheitsgrad bzgl. Rahmenbedingungen (Öffnungszeiten, Ferienschließzeiten), pädagogischer Arbeit (Erzieherverhalten, Aktionen, Projekte), Ausstattung und Zusammenarbeit mit den Eltern. Die Auswertung der Elternbefragung fließt in die Reflexion des Hortteams zum vergan- genen Hortjahr ein und liefert Impulse für die weitere Arbeit. Eine Zusammenfassung der Auswertung wird im Hort zur Einsicht für die Eltern ausgehängt.

 

6.2. Dokumentation


• Hausaufgabendokumentation
Jede pädagogische Mitarbeiterin führt für die Kinder ihrer Hausaufgabengruppe eine Hausaufgabendokumentation. In dieser wird die Anwesenheit und das Lern- und Arbeitsverhalten festgehalten. Die Dokumentation ist wichtige Grundlage für die individuelle Begleitung des Kindes bei den Hausaufgaben, den Entwicklungsgesprächen mit den Eltern oder den Kooperationsgesprächen mit den Lehrkräften.

• Anwesenheitsliste
Täglich wird eine Anwesenheitsliste geführt, in welche die Anfangs- als auch die Abhol- zeit des Kindes eingetragen wird. Somit haben die Hort-Pädagogen einen Überblick über die aktuelle Präsenz und erkennen, ob die gebuchte Betreuungszeit der tatsächlichen Anwesenheitszeit des Kindes entspricht.

• Gesprächsprotokolle
Wir führen nach jedem Entwicklungsgespräch, Lehrergespräch, „Rundem Tisch“, wichtigem Tür- und Angelgespräch oder Telefongespräch ein Gesprächsprotokoll. Dies wird in der jeweiligen Kinderakte abgeheftet.

• Chronik
Seit September 2010 wird für jedes Hortjahr eine Hortchronik erstellt. Darin werden sowohl Aktivitäten & Aktionen, als auch Projekte, Feste & Feiern in Wort und Bild fest- gehalten.

 

6.3. Mitarbeitergespräche


Einmal jährlich führt die Leitung ein Mitarbeitergespräch mit jeder einzelnen Mitarbeiterin. Dieses dient der Reflexion, Motivation, Persönlichkeitsentwicklung und Zielorientierung und bietet die Gelegenheit, Feedback zur Zusammenarbeit und Führung zu geben.

 

6.4. Fortbildungen


Um sich persönlich weiterzuentwickeln, hat jede Mitarbeiterin die Möglichkeit, Fortbildungen im Rahmen eines Fortbildungsbudgets zu besuchen.
Die Inhalte der Fortbildungen sollten in Bezug zur pädagogischen Arbeit im Kinderhort stehen oder die Persönlichkeit der Mitarbeiterin für die Arbeit im Kinderhort stärken.

 

6.5. Jour-Fix


Im regelmäßigen Turnus treffen sich die Montessori-Vorstände und die Kinderhort-Leitung zu einem Jour-Fix.
Bei diesen Treffen werden aktuelle Vorgänge und Entwicklungen besprochen sowie Ziele und Visionen.

 

7. Fachliteratur


Für unsere Konzeption wurde folgende Fachliteratur miteinbezogen:

  • Maria Montessori – Mit Kindern das Leben suchen; Herder Verlag
  • Maria Montessori – Kinder sind anders; dtv Verlag
  • Kosmische Erzählungen in der Montessori-Pädagogik; LIT-Verlag
  • Leitungswissen Kita; Herder Verlag
  • Beobachtung in der Montessori-Pädagogik; Herder Verlag
  • Empfehlung für die pädagogische Arbeit in bayrischen Horten; STMAS
  • Gemeinsam Verantwortung tragen. - Bayrische Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit;
    Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Frauen, Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
  • Schlüssel Projektarbeit; ifp Staatsinstitut für Frühpädagogik, Ko-Kita

 

 


Montessori-Kinderhort
Leitung: Katharina Köstler
Stand: März 2017