Die kleinste Montessori-Bücherei

Die kleinste Montessori-Bücherei

Damals am Ende des letzten Jahrtausends, als es weder Handys noch Internet gab, gingen die Menschen in kleine, gelbe Kammern, die überall in den Städten verteilt waren, um ungestört und vom Wetter geschützt, zu telefonieren. Heute sind die Telefonzellen Relikte aus vergangenen Zeiten, die Dank des Siegeszuges des Handys niemand mehr braucht ... oder vielleicht doch noch?

Dabei ist es noch nicht lange her, dass das erste tragbare Handy von Motorola anno 1983 auf den Markt kam. Es war zwar etwas kleiner als eine ganze Telefonzelle, wog aber immer noch fast ein Kilo und war über 25 Zentimeter hoch.

Die Grundmasse des Inneren einer Telefonzelle betragen einen Meter mal einen Meter mal zwei Meter zwanzig – das ist Platz genug für ein Telefonat, aber reicht es auch für eine Bibliothek für circa 450 Schülerinnen und Schüler?

Wir wollten es wissen und probierten es aus. Das alte Tastentelefon wurde abmontiert und durch viele Bücherregale, die Schüler/-innen gebaut hatten, ersetzt. Dies schaffte bedeutend mehr Platz, als sich im ersten Moment vermuten ließ, nämlich Raum für über 500 Bücher!

Am 04. Mai war es soweit: Die kleinste Montessori-Bibliothek wurde eröffnet. Die Regeln zur Benutzung sind einfach. Man bringt ein Buch von zuhause mit und nimmt ein anderes im Tausch. Unsere Bücherei liegt auf dem Schulweg, direkt gegenüber vom Eingang des Hauptgebäudes, umringt vom Schlossareal. Von den oberen Stockwerken und Klassenzimmern kann man auf dem Dach der Bücherei unser montessori regensburg e. V. Logo entdecken, umkreist von vielen unterschiedlichen Büchern, welche die Schülerschaft aus der Grundschule, Mittelschule und FOS mit Modellierton und Farben gestaltet hat. Manche Bücher aus Keramik sehen verblüffend echt aus – man würde am liebsten mit einer Leiter auf das Dach klettern, um auch in den Büchern aus gebrannten Ton und Farbe zu lesen und nicht nur in den Büchern aus Papier unter dem Dach. Die Außenwände der ehemaligen Telefonzelle sind passend zum Inhalt gestaltet. Circa zweihundert Schülerinnen und Schüler aus allen vorhandenen Jahrgängen schrieben und illustrierten Buchseiten ihrer persönlichen Lieblingsliteratur. Verwendet wurden als Vorlagen Comics, Romane, Fach- und Sachbücher und auch Gedichtbände. Diese einzigartigen und handgemachten Buchseiten wurden als ein gemeinsamer Aufkleber gedruckt und schmücken jetzt die Außenfassade unserer kleinen Bücherei. Es besteht somit das Angebot, bereits von außen zu lesen. Wie schrieb der Schriftsteller und Bibliothekar Jorge Luis Borges Ende des zwanzigsten Jahrhunderts: „Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“

Die kleine Bibliothek entstand in Zusammenarbeit und mit Unterstützung von Thomas Hart, Osman Mestan, Martina Stauß, Jens Scheffel, Dieter Rötzer und Heribert Weinmann sowie Peter Kuchler von externer Seite. Vielen Dank an Daniela Kumpf für die Fotos der Einweihungsfeier.

Thomas Hart

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